Intentionale Bewegung nach Wilfried Teschler
Intention schafft die Grundhaltung. Wahrnehmung macht das Thema erfahrbar. Bewegung darf geschehen. Regulation bringt das Thema in Fluss. Integration geschieht im Erleben.
Die intentionale Bewegung nach Wilfried Teschler geht über freie Bewegung hinaus. Am Anfang steht ein körperliches, emotionales, mentales oder energetisches Thema – eine Frage, eine Spannung, ein innerer Konflikt oder etwas, das sich verändern möchte.
Dieses Thema wird als Intention aufgenommen und in eine entsprechende Grundhaltung gebracht. Von dort aus beginnt der eigentliche Prozess: nicht machen, sondern wahrnehmen.
Von der Intention zur Grundhaltung
Eine Intention kann sich auf sehr unterschiedliche Lebensbereiche beziehen. Entscheidend ist nicht, sie gedanklich möglichst genau zu analysieren, sondern sie so aufzunehmen, dass daraus eine körperlich erfahrbare Grundhaltung entsteht.
Diese Grundhaltung ist kein Endpunkt und keine Haltung, die möglichst lange ausgehalten werden soll. Sie ist ein Erfahrungsraum.
In diesem Raum kann sich zeigen, wie das Thema im eigenen Körper, in Gedanken, Gefühlen, inneren Bildern oder energetischen Empfindungen vorhanden ist.
Die Grundhaltung macht das Thema erfahrbar.
Der innere Beobachter
Ein wesentlicher Bestandteil dieser Arbeit ist der innere Beobachter.
Er ermöglicht, mitten im Erleben wach zu bleiben. Eine Spannung kann wahrgenommen werden. Ein Gefühl kann auftauchen. Gedanken oder innere Bilder können entstehen. Gleichzeitig bleibt ein Teil aufmerksam und gegenwärtig.
So kann etwas wirklich erlebt werden, ohne sich darin zu verlieren.
Der innere Beobachter ist dabei keine Distanzierung vom Erleben. Er schafft vielmehr die Möglichkeit, ganz da zu sein und gleichzeitig wahrzunehmen, was geschieht.
Die Bewegung darf geschehen
Nach der Wahrnehmung wird nicht überlegt, welche Bewegung jetzt richtig wäre. Es wird auch keine Bewegung bewusst erzeugt, um etwas Bestimmtes auszudrücken.
Stattdessen bleibt die Aufmerksamkeit bei dem, was sich zeigt.
Vielleicht verändert sich zuerst nur der Atem. Vielleicht möchte sich ein Finger bewegen, der Kopf drehen, eine Schulter lösen oder das Gewicht verlagern. Manchmal entsteht eine größere Bewegung, manchmal bleibt sie sehr fein.
Geschehen lassen und gleichzeitig wach für das Geschehen bleiben.
Die Bewegung wird nicht forciert, nicht gebremst, nicht korrigiert und nicht bewertet.
Je feiner, desto differenzierter
Bei intentionaler Bewegung muss eine Veränderung nicht groß oder dramatisch sein. Gerade sehr feine Bewegungen können differenzierte Wahrnehmung ermöglichen.
Je genauer die Wahrnehmung wird, desto genauer kann auch die Bewegung auf das reagieren, was im Moment tatsächlich vorhanden ist.
In diesem Sinn gilt für mich: Je energetischer und feiner die Bewegung, desto differenzierter kann Regulation geschehen.
Eine starke Reaktion ist deshalb nicht automatisch wirkungsvoller als eine kleine Veränderung.
Wahrnehmen, bewegen, lösen
Wenn ein Thema lange festgehalten wurde, kann es sich im Körper, im Erleben oder in der Körperenergie als Spannung, Erstarrung, Widerstand oder eingeschränkte Beweglichkeit zeigen.
Durch die Grundhaltung wird zunächst Kontakt hergestellt. Die Wahrnehmung macht das Thema erfahrbar. Die daraus entstehende Bewegung kann das Festgehaltene wieder in Fluss bringen.
Was zuvor gebunden oder unbeweglich war, kann seine bisherige Form verlieren, sich verändern, lösen und integrieren.
Wahrnehmen – bewegen – lösen – integrieren.
Befreiung gebundener Energie
Wenn sich ein hinderlich gewordenes Muster oder Thema löst, wird auch die Energie frei, die zuvor darin gebunden war.
Diese Energie steht dem Menschen wieder zur Verfügung – als Lebendigkeit, Beweglichkeit, Klarheit oder Handlungskraft.
Die Lösung besteht deshalb nicht nur darin, dass etwas weniger wird. Es kann gleichzeitig wieder etwas verfügbar werden.
Integration geschieht im Erleben
Integration muss nicht immer erst nachträglich verstanden oder besprochen werden.
Sie kann bereits während des Prozesses geschehen: Der Körper erlebt eine andere Möglichkeit, eine neue Bewegung, eine Veränderung von Spannung oder eine neue innere Ordnung.
Dadurch entsteht Erfahrung – nicht nur eine Vorstellung davon, wie Veränderung sein könnte.
Wenn es zu viel wird
Intentionale Bewegung wird nicht gegen den eigenen Körper gemacht.
Wird eine Haltung zu anstrengend oder das Erleben zu intensiv, kann die Grundhaltung langsam verlassen werden. Die Bewegung darf ausklingen. Danach kann eine Pause sinnvoll sein: sitzen, liegen, etwas trinken, essen, einen kleinen Spaziergang machen oder einfach warten, bis das System wieder ruhiger geworden ist.
Später kann das Thema erneut aufgenommen werden, wenn es stimmig ist.
Nicht forcieren. Nicht übergehen. Wahrnehmen, was jetzt möglich ist.
Begleitung am Anfang
Gerade am Anfang kann Begleitung hilfreich sein. Viele Menschen sind gewohnt, eine Bewegung richtig machen zu wollen oder sofort zu beurteilen, was sie wahrnehmen.
In der Begleitung kann der innere Beobachter geschult und die Fähigkeit entwickelt werden, dem eigenen Prozess zu vertrauen, ohne sich darin zu verlieren.
Mit wachsender Erfahrung kann intentionale Bewegung zunehmend selbstständig genutzt werden.
Freie Bewegung als Zugang
Freie Bewegung kann ein guter Einstieg sein, weil sie zunächst die gewohnte Orientierung an äußeren Vorgaben lockert.
Die intentionale Bewegung geht jedoch einen Schritt weiter: Sie verbindet eine bewusste Intention mit einer Grundhaltung, wertungsfreier Wahrnehmung und der Bewegung, die daraus entstehen darf.
Eine konkrete Anwendung davon sind die Meridiane nach Wilfried Teschler. Dort ist der Erfahrungsraum über den jeweiligen Meridian und seine Grundhaltung bereits klar vorgegeben.
Im Alltag
Die Erfahrung bleibt nicht auf die Übung beschränkt. Wer lernt, feiner wahrzunehmen und nicht sofort auf alte Muster zu reagieren, kann diese Fähigkeit auch im Alltag nutzen.
Was geschieht gerade in mir? Was ist wirklich mein Impuls? Wo halte ich fest? Wo entsteht Bewegung? Was braucht jetzt Raum?
So kann intentionale Bewegung auch zu einem Weg werden, die eigene Wahrnehmung, Selbstregulation und Handlungsfähigkeit zu stärken.
Intention schafft die Grundhaltung.
Wahrnehmung macht das Thema erfahrbar.
Bewegung darf geschehen.
Regulation bringt das Thema in Fluss.
Integration geschieht im Erleben.
Mehr zum methodischen Hintergrund: Körperenergiearbeit nach Teschler.
Du möchtest intentionale Bewegung und Meridianarbeit praktisch kennenlernen? In meinen begleiteten Angeboten kannst Du die Grundhaltungen, Wahrnehmung und entstehende Bewegung Schritt für Schritt erfahren.
Die Meridianbewegungen selbst kennenlernen
Wer die Meridianbewegungen nach Wilfried Teschler für sich selbst kennenlernen und anwenden möchte, findet die Grundhaltungen, Bewegungsübungen und Hintergründe in seinem Lehr- und Arbeitsbuch:
„Meridiansysteme – der kreative Umgang mit den Meridianen“
Das Buch beschreibt die Grundhaltungen und den kreativen Umgang mit den Meridianen.
